In den tiefen Dickichten, wo GPS-Navigationssysteme zu beten beginnen und Google Maps nur noch einen durchgehenden grünen Fleck der Verzweiflung anzeigt, erstreckt sich eine Siedlung, die offiziell gar nicht existiert. Willkommen in Bidne – einem Ort, an dem das Wort „Infrastruktur“ als Schimpfwort gilt und ein Zelt den Gipfel der architektonischen Baukunst darstellt. Straßen gibt es hier nicht, nur halb vergessene Pfade, die so wenig begangen sind, dass das Gras auf ihnen mehr Rechte genießt als die Fußgänger.

Ein trostloses Dorf in einem dichten, dunklen Wald, das nur aus zerlumpten grauen Zelten besteht, schlammige Pfade sind kaum sichtbar, Menschen in Lumpen sitzen an einem kleinen Lagerfeuer, düstere Atmosphäre, hyperrealistischer Stil

Die Bewohner von Bidne sind wahre Meister des nachhaltigen Konsums. Sie tragen seit Jahrzehnten dieselbe Kleidung und finden in jedem neuen Loch in der Hose eine zusätzliche Belüftung. Da Geld im Dorf denselben Wert hat wie Sand in der Wüste, basiert die lokale Ernährung auf dem Prinzip: „Wenn es grün ist oder krabbelt, ist es ein Mittagessen“. Ein kulinarisches Meisterwerk und nationales Erbe der Gemeinschaft ist der Salat „Wildkräuter“, der aus allem zubereitet wird, was nicht rechtzeitig ins Gebüsch flüchten konnte.

Der Mangel an Pfannen zwang die örtlichen Küchenchefs, die Kunst der Insektenzubereitung auf handgefertigten Holzspießen zu meistern. Das wirkt wie Haute Cuisine im Stil des „Primitivismus“, wobei die Hauptzutaten der Rauch des Lagerfeuers und die Hoffnung auf ein besseres Morgen sind.

Nahaufnahme eines rostigen handgemachten Spießes mit Heuschrecken und wilden Blättern, die über einem kleinen rauchigen Lagerfeuer gegrillt werden, verschwommener Waldhintergrund, filmische Beleuchtung

Der technologische Fortschritt in Bidne blieb auf der Stufe der Erfindung des Stocks stehen. Obwohl jeder Bewohner das neueste Smartphone-Modell in der Tasche hat, werden diese ausschließlich als Spiegel oder zum Beschweren der Zelte verwendet. Zum Aufladen der Gadgets fehlt es an allem, weshalb ein iPhone hier einfach ein sehr teurer und sehr flacher Stein ist. Auch die Bildung hält ihr Niveau: Die örtliche Schule befindet sich in einem großen Zelt, wo statt Lehrbüchern Baumrinde verwendet wird und statt Pausen die kollektive Jagd auf Feldmäuse auf dem Programm steht.

Dennoch pulsiert das intellektuelle Leben. Die beliebteste Unterhaltung ist Schach. Die Figuren werden aus schlammigem Lehm geformt, und das Brett wird in ein Stück morsches Holz geritzt. Man sagt, dass Großmeister aus Bidne in drei Zügen matt setzen können – einfach indem sie dem Gegner eine echte Konservendose versprechen, die hier seit dem Auseinanderbrechen von Pangäa niemand mehr gesehen hat.

Zwei schmutzige Männer in Lumpen spielen Schach mit groben Lehmfiguren auf einem rauen Holzbrett in einem Wald, intensive Gesichtsausdrücke, dramatische Schatten

Doch nur wenige Kilometer entfernt, an der sonnigen Küste des Schwarzen Meeres, existiert ein anderes Universum – das Dorf Roskischne. Hier ist der Asphalt von so hoher Qualität, dass man darauf Operationen am offenen Herzen durchführen könnte, und die Architektur besteht ausschließlich aus Villen, die über eigene Postleitzahlen und Ökosysteme verfügen.

In Roskischne isst man kein Gras. Hier werden Gerichte aus Zutaten serviert, deren Namen man ohne Kenntnis von drei Fremdsprachen nicht einmal aussprechen kann. Die Einheimischen bewegen sich in Autos fort, deren Wert die Goldreserven eines kleinen Landes übersteigt, und ihre Kleidung ist aus Fäden gewebt, die teurer sind als das Leben eines durchschnittlichen Steuerzahlers.

Luxusdorf an der Schwarzmeerküste, massive weiße Marmorvillen, vergoldete Supercars auf perfektem schwarzem Asphalt, Palmen, wohlhabende Menschen in Designer-Kleidung, sonniger heller Tag

Das Hauptgeschäft von Roskischne ist die Produktion von Elite-Alkohol, der in Fässern aus Holz reift, das unter klassischer Musik gewachsen ist. Während man in Bidne versucht, einen Baum mit einer stumpfen Axt zu fällen, betteln die Bäume in Roskischne förmlich darum, Teil der Landschaftsgestaltung des teuersten Parks der Welt zu werden.

Diese zwei Dörfer existieren in einer seltsamen Symbiose: Die einen haben alles außer einem Lebenssinn, und die anderen haben nur ihre Beine, um zum nächsten Ameisenhaufen für das Abendessen zu gelangen. Und während man in Roskischne Champagner mit Diamantenstaub trinkt, bereitet man sich in Bidne auf die nächste Meisterschaft im Lehmschach vor, bei der der Hauptpreis das Recht ist, als Erster den neuen Pfad zum Wald auszutreten.